Tourismuslehre



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BWL der Reiseveranstalter


 

Touristikmanagement

(Betriebswirtschaftslehre der Reiseveranstalter und Reisemittler)

Autor: Marc Sölter, Hotelfachmann, Tourismusreferent

Einführung Touristik

1. Grundlegende Begriffe

Der Begriff Tourismus/Fremdenverkehr wurde schon in den Skripten zu den Grundlagen des Tourismus definiert, und sollte jedem Teilnehmer bekannt sein. In diesem Skript wird nun nicht mehr der Tourismus als Gesamt-Erscheinung, sondern ein Spezialgebiet, die Touristik betrachtet. Als Touristik wird zum einen die seit dem 19th Jahrhundert entstandene Struktur des organisierten Reiseverkehrs bezeichnet. Die Touristik ist Untermenge des Wirtschaftsbereiches Tourismus, die sich in erster Linie mit der Geschäftstätigkeit von Reisemittlern (Reisbüros) und Reiseveranstaltern beschäftig. Nach dem 2. Weltkrieg fand der Begriff „Touristik“ in Deutschland vorwiegend Eingang in den Geschäftsbereich von Reiseveranstaltern und – mittlern und bezeichnete vorwiegend Urlaubs- und Pauschalreiseangebote (vergl. Freyer Tourismus 1998)

TOURISTIK= Gesamtheit der touristischen Einrichtungen und  Veranstaltungen; Reisewesen. (Langenscheidt  Fremdwörterlexikon)

TOURISTIK= Im Reisebüro: Abteilung Touristik --> Urlaubs- und Pauschalreisen Business-Travel --> Geschäftsreisen

In den letzten Jahren wird unter dem Begriff „Touristik“ die geschäftsmäßige Beschäftigung mit Reisen verstanden, also als Synonym für „Tourismusbetriebe“ und „Tourismuswirtschaft“. Damit ist Touristik weitgehend identisch mit dem –engeren- „ökonomischen Tourismusbegriff“ welcher eher die volks- und betriebswirtschaftlichen Aspekte des Reisens umfasst.

Die Touristik kann wiederum unterteilt werden in die Outgoing- und Incoming-Touristik. Outgoing-Touristik, ist die Organisation von Reisen in den Ländern, aus denen die Touristen stammen. Beispiel: Ein deutscher Reiseveranstalter z.B. die TUI, stellt eine Pauschalreise für deutsche Kunden nach Dubai zusammen.

Im Gegensatz dazu, besteht die Incoming-Touristik in der Organisation von Reisen im Heimatland des Reiseveranstalters. Die Reisen werden jedoch nicht von ihm selbst, sondern von einem Partnerunternehmen im Ausland an dortige Abnehmer verkauft(vergl. Pompl AKAD „Allgemeine Tourismuslehre“ Lehreinheit 3) Beispiel: Ein spanischer Reiseveranstalter beauftragt ein deutsches Unternehmen mit der Organisation einer Städtereise. Der spanische Reiseveranstalter ergänzt dieses Produkt jetzt lediglich noch, mit dem Flug von Spanien nach Deutschland.

Zu Merken: Der Begriff „Touristik“ umfasst nach Pompl in der institutionellen Definition die Reisenden und alle Betriebe, deren Zweck in der Veranstaltung und / oder Vermittlung von Reisen besteht.

Eine Einordnung des Beherbergungs- und Gastronomiebereiches unter dem Touristik-Begriff scheitert nicht nur an der fehlenden historischen Beziehung, sondern auch an der Einordnung dieses Bereiches als Bestandteil der touristischen Infrastruktur im Zielgebiet (P- Roth, Touristikmarketing S. 36)

2.Touristische Leistungsträger

Als Leistungsträger bzw. touristische Leistungsträger, werden alle Unternehmen bezeichnet, deren Leistungen vom Reiseveranstalter zur Erstellung einer Pauschalreise verwendet werden bzw. von einem Reisemittler (Reisebüro) an den Kunden verkauft werden. So kann z.B. in einem Reisebüro eine vorgefertigt Pauschalreise eines Reiseveranstalters gebucht werden, aber ebenso kann der Kunde auch nur eine Bahnfahrkarte kaufen. Beispiele für touristische Leistungsträger, sind z.B. Beherbergungs- und Verpflegungsbetriebe, Transportbetriebe (Bahn, Bus, Flug), Betriebe des Kur- und Bäderwesens, Zielgebietsagenturen, Fahrzeugvermietungen, Sportbetriebe, tourismusspezifische Kreditkartenorganisationen sowie die Betreiber von Reservierungs- und Informationssystemen.

Verkehrsträger

Der Begriff Verkehrsträger, fasst als Oberbegriff, all diejenigen Verkehrsunternehmen zusammen, die mit gleichartigen Verkehrsmitteln auf gleichen Verkehrswegen technisch gleichartige Beförderungsleistungen erstellen. Die für den Tourismus relevanten Verkehrsbetriebe werden normalerweise unterschieden in:

– Straßenverkehr (PKW und Bus)

– Luftverkehr

– Schienenverkehr

– Wasserverkehr

Diese Abbildung von Pompl zeigt das System Tourismus, welches in Fachkreisen auch als mikroanalytisches Tourismus-System bezeichnet wird. Im Rahmen dieses Skriptums interessiert besonders das Kernsystem Touristik, bzw. die Touristikunternehmen = Reiseveranstalter und Reisemittler.

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3. Der Veranstalterreisemarkt

Da sich dieses Skriptum mit Reiseveranstaltern und Reisemittlern befasst, macht es Sinn den Veranstaltermarkt kurz zu definieren. Der eigentliche Tourismusmarkt umfasst „alle Reisen, unabhängig von ihren Zielen und Zwecken [...], die den zeitweisen Aufenthalt an einem anderen als dem Wohnort einschließen und bei denen die Rückkehr Bestandteil der Reise ist (vergl. Mundt 2001 und Tupy 1984) Vom Tourismusmarkt kann wiederum der  Urlaubsreisemarkt unterscheiden werden, der Urlaubsreisemarkt umfasst ausschließlich privat veranlasste Urlaubsreisen, unabhängig davon, ob diese von einem Dienstleister oder dem Reisenden selbst organisiert werden. Ein Teil des Urlaubsreisemarktes ist wiederum der Veranstalterreisemarkt. Darunter fallen alle über einen Reiseveranstalter gebuchte Reisen, die in der Regel zu Urlaubszwecken unternommen werden.

Begriffsdefinition der Dienstleistung

Dienstleistungen sind selbständige, marktfähige Leistungen, die mit der Bereitstellung und/oder dem Einsatz von Leistungsfähigkeiten verbunden sind (Potentialorientierung). Interne und externe Faktoren werden im Rahmen des Erstellungsprozesses kombiniert (Prozessorientierung). Die Faktorenkombination des Dienstleistungsanbieters wird mit dem Ziel eingesetzt, an den externen Faktoren, an Menschen oder deren Objekten nutzenstiftende Wirkungen zu erzielen (Ergebnisorientierung (vgl. Meffert/Bruhn 2000, S. 30)

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Potentialphase

In dieser Phase sind Faktoren wie z.B. der Standort, die Ausstattung und Aufmachung des Reisebüros, die finanzielle Ausstattung des RB, das vorhandene Potential der Mitarbeiter sowie das Image des Reisbüros zu managen. In dieser Phase wird das vorhandene Dienstleistungspotential des Touristikbetriebs erstellt, d.h. die Fähigkeit und Bereitschaft eine Leistung mit den notwendigen Fähigkeiten (Agenturverträge, Fachwissen) den Kunden zur Inanspruchnahme anzubieten.

Prozessphase

In dieser Phase erfolgt die Erbringung der touristischen Leistung durch den Produzenten, sowie die Abnahme/Konsum der Leistung durch den sog. externen Faktor (Reisebürokunde)

Ergebnisphase

Die Ergebnisphase wird nach Donadebian 1980 durch das unmittelbare Ereignis, die Zustandsveränderung des externen Faktors bei „Austritt“ aus dem Produktionsprozess bestimmt. Ebenfalls sollte in dieser Phase die Zufriedenheit der verschiedenen beteiligten Gruppen und Personen mit der erbrachten Leistung überprüft werden.

Dienstleistung

Das touristische Produkt ist eine Dienstleistung, es dient dem Kunden zur Befriedigung komplexer Bedürfnisse.

Das touristische Produkt oder die touristische Leistung, Dienstleistung ???

In der Literatur, wird oft vom touristischen Produkt bzw. dem Tourismus-Produkt gesprochen, allerdings besteht Konsens darüber, das dass touristische Produkt durch Dienstleistungen bestimmt wird. Daher wird in diesem Skriptum sowohl vom touristischen Produkt, als auch von der touristischen Leistung/Dienstleistung gesprochen gemeint ist also das gleiche. (vergl. hierzu Roth/Schrand Touristikmarketing 1995)

Das eigentliche touristische Produkt, bilden die verschiedenen Leistungen der verschiedenen Betriebe bzw. der touristischen Leistungsträger, diese Leistungen werden teilweise vom Kunden nur als „Mittel zum Zweck“ wahrgenommen wie z.B. der Transport vom Flughafen zum Hotel. Tatsächlich kauft der Kunde, konkrete, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen konzipierte Teilleistungen, welche aus verschiedenen Sach- oder Dienstleistungen bestehen können ein. Die verschiedenen Bestandteile des touristischen Produkts können stark variieren. Die ausgeprägteste Form des touristischen Produktes, stellt die Pauschalreise dar. Die touristische Leistung ist das Resultat aus der Summierung von mehreren, verschiedenen Teilleistungen, welche von unterschiedlichen Leistungsträgern erstellt bzw. erbracht werden.

Eigenschaften von touristischen Leistungen / Dienstleistungen:

  • Touristische Dienstleistungen setzen sich i.d.R. aus verschiedenen komplementären Teileistungen zusammen, die sich zumeist in einem Leistungsbündel konkretisieren und vom Touristen als komplex wahrgenommen werden (Zielke 2004)

  • Touristische Leistungen sind meist durch eine enorme Vielfältigkeit gekennzeichnet

  • Die Dienstleistungen zwischen denen ein komplementäres Verhältnis besteht,  werden gemeinsam zu einem Gesamtpreis in einem Paket dem Kunden angeboten, so das im Ergebnis eine eigene Leitung entsteht.

  • Die touristische Dienstleistung wird nicht nur durch einen, sondern durch verschiedene Dienstleistungsanbieter erbracht.

  • Die touristische Leistung stellt ein Leistungsbündel dar

  • Es handelt sich meist um kundenpräsenzbedingte Dienstleistungen

Touristische Dienstleistungen sind somit ein Resultat aus der Verknüpfung mehrerer komplementärer Teilleistungen, wie Transport und Beherbergung, die in Verbindung mit dem Dienstleistungsnachfrager einen besonderen Nutzen stiften (vergl. Müller Dienstleistungsqualität im touristischen Leistungsverbund). Die Komplementarität touristischer Dienstleistung liegt in der Ergänzung und Abstimmung der Einzel- bzw. Teilleistungen der verschieden Anbieter. Überträgt man die Abgrenzung des Dienstleistungsbegriff von Meffert/Bruhn auf den Tourismus, so kennzeichnen sich touristische Dienstleistungen als selbstständige, marktfähige Leistungen, die durch eine Ortsveränderung des Touristen entstehen und mit der Leistungsfähigkeiten touristischer Anbieter verbunden sind. Die touristischen Dienstleistungen sind Dienstleistungen mit vorwiegend kollektiven Charakter, da diese unter räumlicher kongruenter und zeitlich simultaner Anwesenheit mehrer Dienstleistungsnachfrager erbracht werden (vergl. Pompl 1997 Qualität touristischer Dienstleistungen, in Qualitätsmanagement im Tourismus)

Der Bedarf des Urlaubers reduziert sich nicht nur auf Teilleistungen wie Transport, Beherbergung und Verpflegung, der Urlauber versucht vielmehr, eine Vielzahl komplexer Bedürfnisse zu befriedigen:

Fast jedes Angebot von Unternehmen umfasst zu einem Teil auch Dienstleistungen:

Man unterscheidet bei Leistungsangeboten von Unternehmern vier Kategorien:

Ein rein materielles Gut

  • Hier besteht die Leistung vornehmlich aus einem materiellen Gut wie z. B. Seife, Zahnpasta oder Salz. Dienstleistungen werden damit dicht angeboten.

Ein materielles Gut in Verbindung mit Dienstleistungen

  • Hier besteht die Leistung aus einem materiellen Gut und einer oder mehreren produktbegleitenden Dienstleistungen, um die Attraktivität des Angebots für den Kunden zu erhöhen. Beispielsweise verkauft ein Autohersteller seine Fahrzeuge meist inklusive Garantie, Service- und Wartungsanleitung.

Eine zentrale Dienstleistung in Verbindung mit Hilfsgütern und-diensten.

  • Hier besteht die Leistung aus einer zentralen Dienstleistung und zusätzlichen Hilfsdiensten bzw. Hilfsgütern. Die Passagiere einer Fluggesellschaft erwerben z. B. die zentrale Dienstleistung „Personenbeförderung“. Nach ihrer Ankunft am Zielort haben sie für ihre Ausgaben nichts materiell Greifbares vorzuweisen. Dennoch gehören zu einer Flugreise auch materielle Produkte wie z. B. Speisen und Getränke, das Flugticket oder auch die Zeitschrift der Fluggesellschaft. Die Realisierung der Dienstleistung erfordert zwar ein kapitalintensives materielles Produkt, nämlich das Flugzeug, doch das Hauptelement ist die Dienstleistung.

Die reine Dienstleistung

  • Hier besteht die Leistung im wesentlichen nur aus einem Dienst. Beispiele hierfür wären eine Psychotherapie oder Massagen. Der Psychoanalytiker z. B. bietet eine reine Dienstleistung an. Als einzige materiell wirkende Elemente nutzt er in der Regel das ärztliche Sprechzimmer und eine Couch, kann aber im Prinzip seine Analyse und Therapie auch ohne diese materiellen Elemente liefe

     (Quelle: Kotler, P./Bliemel, F. (1992): Marketing-Management. 7. Aufl., Stuttgart, S. 662.)

Nach Hebestreit (Touristik-Marketing 1992) ist die vorgefertigte Pauschalreise das Produkt der Reiseveranstalter. Er definiert dieses Produkt (Leistungsergebnis) des Reiseveranstalters als ein Dienstleistungspaket, bestehend aus mindestens zwei aufeinander abgestimmten Reisedienstleistungen, das im voraus für einen noch nicht bekannten Kunden erstellt wurde und geschlossen zu einem Gesamtpreis vermarktet wird, so dass die Preise der Einzelleistungen nicht mehr identifizierbar sind (vergl. Hebestreit, Touristik Marketing 1992). Die Erstellung von Pauschalreisen zählt zu den Hauptaufgaben der Reiseveranstalter (vergl. hierzu ausführlich das Kapitel Planung einer Pauschalreise).

Definition der Pauschalreise:

Wir definieren das Produkt (Leistungsergebnis) des Reiseveranstalters als ein Dienstleistungspaket, bestehend aus mindestens zwei aufeinander abgestimmte Reisedienstleistungen, die im voraus für einen noch nicht bestimmten Kunden erstellt wurde, und geschlossen zu einem Gesamtpreis vermarktet wird, so das die Preise der Einzelleistungen nicht mehr identifizierbar sind.

Konstitutive Elemente der Pauschalreise sind:

  • Dienstleistung, alle persönlichen Dienstleistungselemente der Pauschalreise sind immaterielle Güter, für sie gilt das sog. uno-actu-Prinzip, d.h. die Produktion und der Konsum der Leistung finden zur gleichen Zeit statt.

  • Leistungsbündel, die Pauschalreise ist immer ein Paket bzw. eine Zusammenstellung von mehreren komplementären Dienst- und Sachleistungen.

  • Pauschalpreis, die Pauschalreise wird dem Kunden zu einem Gesamtpreis angeboten, die einzelnen Preise für die verschiedenen Leistungen z.B. für Transport oder Übernachtung, sind für den Kunden nicht ersichtlich.

  • Vorfertigung, die Erstellung des Angebotes erfolgt vor der Nachfrage des Kunden, der auf der Grundlage eines vom Veranstalter festgelegten und katalogmäßig angebotenen Programms bucht.

  • Risikoübernahme, der Reiseveranstalter haftet für die von ihm durch schlechte Organisation zu verantwortende Mängel, sowie für solche Mängel aus der Tätigkeit fremder Leistungsträger. Der Reiseveranstalter trägt auch das Risiko der Auslastung.

  • Problemlösungskompetenz, der Kunde entscheidet sich nur für eine Pauschalreise, wenn er sich von ihr gegenüber einer selbst organisierten Reise Vorteile verspricht wie z.B. ein preisgünstiges Arrangement, eine bequemere Art seine eigenen Urlaubswünsche zu realisieren.

Reisebüro/ Reisevermittler

Das klassische Reisebüro ist vermittelnd tätig, das heißt es verkauft Leistungen Dritter. Für die Vermittlung von Dienstleistungen zahlt der Erbringer dieser Leistungen Provisionen. Damit ein Reisebüro den Status eines Vermittlers beibehält, muss dies z.B. durch verschiedene Vermittlungsverträge klar herausgestellt werden. Der Kunde darf nicht den Eindruck gewinnen, das Reisebüro erbringe Leistungen in eigener Verantwortung.

Die Reisebüros sind beziehungsbildende Institutionen und ihre Bedeutung steigt auf Grund der Differenziertheit von Angebot und Nachfrage ständig. Ihre Hauptaufgaben sind die Reisevermittlung und Reiseveranstaltung. (vgl. Bernecker 1962, S. 190ff)

Eine etwas modernere, kurze und prägnante Definition des Reisemittlers findet sich im dem Buch von W. Freyer Reisbüromanagement, danach ist: Ein Reisevermittler ist ein Handelsbetrieb, der im Auftrag der Produzenten (Reisveranstalter) vorwiegend Pauschalreisen und touristische Einzelleistungen (gemeint sind wohl DB-Fahrscheine, Flugtickets) an die Endverbraucher vermittelt.

Allgemein akzeptiert und verbreitet ist die Definition von W. Pompl

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Reisemittler sind Handelsbetriebe, deren hauptsächliche Tätigkeit darin besteht, einzelne touristische Leistungen und Pauschalreisen von den Erstellern an die Endverbraucher zu vermitteln. Endverbraucher können sowohl Privatreisende als auch Firmen zur Nutzung der vermittelten Leistungen bei Geschäftsreisen.  

(Pompl Touristikmanagement Bd. 1 S. 42)

Wie man sieht gibt es viele Definitionen, so ist z.B. in MUNDT Reiseveranstaltung 5. Aufl. S. 229 eine steuerliche Definition des Begriffes Reisevermittler: Reisemittler sind selbstständige Unternehmen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes. Ihr Umsatz besteht in der Povision, die sie vom Reiseveranstalter erhalten. Die Vermittlungsleistengen sind nicht nach § 4 Nr. 5 UStG von der Umsatzsteuer befreit, sofern sie für einen im Inland ansässigen Reiseveranstalter erbracht werden. Der Reisevermittler erhält vom Reiseveranstalter eine Provision aus dem Reisepreis zuzüglich gesetzlicher Umsatzsteuer (16 %).Der Reiseveranstalter hat die ihm mit seiner Provision gutgeschriebenen Umsatzsteuer abzüglich der ihm durch den Betrieb seines Reisebüros entstandenen Vorsteuerbeträge an das Finanzamt abführen.

Der vielfach verwendete Begriff Reisebüro wird oft nur als Reismittler verstanden, jedoch bezeichnet dieser Begriff dagegen einfach nur ein Unternehmen, das irgendwelche Tätigkeiten in der Reise(beratungs-)Branche ausübt. Ein Reisebüro kann sowohl Reisevermittler als auch Reisveranstalter sein.

Reiseveranstalter

Reiseveranstalter ist zunächst einmal jeder, der eine Pauschalreise im Sinne des § 651 a BGB anbietet, das heißt mindestens zwei Hauptleistungen zu einem Gesamtpaket unter eigenem Namen (Name des Reiseveranstalters) zu einem Gesamtpreis bündelt. Beispiele aus der Rechtsprechung für zwei Hauptleistungen:

• Beförderung und Unterkunft

• Beförderung und Mietwagen

• Beförderung und Verkaufsveranstaltung (Werbefahrt, Kaffeefahrt etc.)

• Unterkunft und Hobbykurs/ Sport

• Kreuzfahrten

• Ferienwohnung und Reiseleitung

• Segeltour und Skipper.

 

Ein Reiseveranstalter (Tour Operator) ist eine Unternehmung, die eigene Leistungen sowie Leistungen Dritter (Leistungsträgern) zu marktfähigen touristischen Angeboten (Pauschalreisen) kombiniert und für die Vermarktung sorgt, wobei diese Pauschalreisen im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko angeboten werden.   (vgl. KIRSTGES, Expansionsstrategien im Tourismus 1996 S. 63)

Nach Hebestreit ist ein Reiseveranstalter ein Fremdenverkehrsbetrieb, der im Rahmen eines eigens hierzu gegründeten Unternehmens überwiegend Leistungen Dritter zur Befriedigung des zeitweiligen Ortsveränderungsbedürfnisses und damit zusammenhängender anderweitiger Bedürfnisse zu einer neuen, eigenständigen Leistung verbindet und dies im Namen und auf Rechnung des Reiseveranstalterunternehmens anbietet.

 (Vgl. Hebestreit 1977, S. 11)

Prof. Dr. W. Pompl hat diese Definition von Hebestreit modifiziert, denn diese Definition erscheint ihm in soweit problematisch, als danach zwar richtigerweise Kleinstunternehmen bis hin zum Ein-Personen-Betrieb als Reiseveranstalter gelten, solange sie selbstständig sind und sich hauptsächlich mit der Veranstaltung von Pauschalreisen beschäftigen, nicht aber (rechtlich natürlich unselbstständige) Touristikabteilungen von Leistungsträgern, in denen mehrere Dutzend Mitarbeiter die ausschließliche Aufgabe haben, Pauschalreisen, die im eigenen Namen und auf eigene Rechnung angeboten werden zu produzieren (W. Pompl, Touristikmanagement Band 1)

Ebenso als sachfremd kritisiert Pompl den Ausschluss von sozial und gemeinnützigen Organisationen (Kirche, Gewerkschaften…) solange diese ihre Reiseveranstaltung nicht „unternehmensmäßig“ betreiben. Da in der Definition von HEBESTREIT dieses „unternehmensmäßig“ nicht konkretisiert ist, geht Pompl davon aus, das damit wohl die Gründung eines separaten Unternehmens gemeint ist, bzw. das die Einstufung als Reiseveranstalter somit von der bloßen Rechtform abhängig wäre.

Fazit: Nach Pompl trifft HEBESTREIT zwar den Kern der gegenwärtigen Tätigkeit deutscher Reiseveranstalter, jedoch ist seine Definition zu sehr aus die „industrielle“ Produktion von Reisen, sowie auf die rechtliche Situation vor Einführung des Reisevertragsgesetzes sowie die bundesdeutschen Marktverhältnisse abgestellt, sie ist daher zu eng gefasst um allgemeingültig zu sein. (Pompl, Touristikmanagement Band 1 S. 28).

Dasselbe, gilt somit auch für  die Definition von KIRSTGES, auch in seiner Definition ist von einer Unternehmung, einem somit eigen gegründetem Unternehmen die Rede. Auch er lässt gemeinnützige, nicht kommerzielle Reiseveranstalter wie z.B. Arbeiterwohlfahrt, Kirchen oder Gewerkschaften außer Betracht.

Modifizierte Reiseveranstalter-Definition von Pompl (Touristikmanagement Bd. 1):

Ein Reiseveranstalter ist ein Betrieb, der eigene und fremde touristische Leistungen sowie gegebenenfalls Sachleistungen zu einen neuen, eigenständigen Produkt (= Pauschalreise) verbindet und diese im eigenen Namen, auf eigenes Risiko und auf eigene Rechung anbietet.

Konstitutive Elemente eines Reiseveranstalters sind somit:

  • Verbinden von Leistungen Dritter zu einem neuen Produkt (Pauschalreise)

  • Eigenständige Leistung

  • Eigenverantwortlichkeit bei der Gestaltung und Erbringung der Reiseleistungen

  • Auftreten im eigenem Namen

  • Meistens ein eigenständiges Unternehmen

  • Haftung gegenüber dem Reisenden bzw. Übernahme des Risikos

Nach Pompl (Allgemeine Tourismuslehre Lehreinheit 3) ist ein typischer Reiseveranstalter dadurch gekennzeichnet, dass er

  • haupterwerblich und regelmäßig Pauschalreisen durchführt,

  • seine Angebote in einem Katalog darstellt,

  • im Voraus, d.h. vor Eingang der Buchungen, Reservierungsverträge mit beförderungs- und Beherbergungsbetrieben abschließt.

Natürlich gibt es auch noch andere Definitionen des Begriffes Reiseveranstalter, so findet man beispielsweise in der Publikation „Ökomanagement für Reiseveranstalter“ vom Roman Mezzasalma folgende Definitionen:

Reiseveranstalter stellen verschiedene Dienstleistungen zu einer Einheit, der Reise, zusammen und bieten dieses Dienstleistungspaket (häufig als Pauschalreise bezeichnet) im eigenen Namen dem Publikum an."

Müller/Kramer/Krippendorf (1991, S. 112) ergänzten diese Reisveranstalter - Definition mit dem Zusatz: „Der Verkauf erfolgt entweder direkt an die Kunden oder über Wiederverkäufer (Reisebüros/Reisemitter)

Die Begriffe „Reiseveranstalter“ und „Tour Operator“ sollen synonym verwendet werden. Zu unterscheiden sind die Begriffe insbesondere von demjenigen des „Reisevermittlers“. Dieser steht „als Zwischenglied zwischen dem Reisenden und dem Dienstleistungsunternehmen“ (METZ 1983, S. 24) und vermittelt „sowohl ganze Arrangements von Reiseveranstaltern als auch einzelne Dienstleistungen touristischer Anbieter“ (Müller/Kramer/Krippendorf 1991 S. 113).

Die Reisveranstalter nehmen somit eine zentrale Funktion in der Touristik ein, nach HOCHREITER, 1978 S. 44 liegen die spezifischen Leistungskomponenten der Veranstalter in der Zusammenfassung der Grundelemente(gemeint ist die Zusammenstellung der Teilleistungen), ihrer Standardisierung, Kommunikation und Vermittlung. Reisveranstalter kombinieren diese Teil- bzw. Fremdleistungen von anderen Unternehmen zu einem neuen Produkt, der Pauschalreise. Zu den wesentlichen Teil- bzw. Fremdeleistungen gehören:

  • Transport  
  • Transfer
  • Beherbergung (und Verpflegung)
  • Verpflegung
  • Versicherungsleistungen ( z.B. Reiserücktrittsversicherung )
  • Reiseleitung/-betreuung
  • Kulturelle und sportliche Leistungen am Zielort
  • Rundfahrten/Ausflüge

Abgrenzung der Reiseveranstalter zu Reisemittlern und Leistungsträgern

  • Die Verantwortung (sog. Eigenverantwortlichkeit) bei der Gestaltung sowie bei Erbringung der Reiseleistungen liegt beim Reiseverantstalter

  • Der Reiseveranstalter stellt die Leistungen Dritter zu einem eigenständigen touristischen Produkt zusammen.

  • Angebot des touristischen Produkts im eigenen Namen und auf eigene Rechnung

  • Der Reiseveranstalter tritt meist als eigenständiges Unternehmen am Markt auf

 

Tätigkeiten und Aufgaben der Reiseveranstalter

Prof. Rudolph (Tourismus-Betriebswirtschaftslehre 1. Aufl.) beschreibt die Aufgaben eines Reiseveranstalters wie folgt:

Der Reiseveranstalter kombiniert in der Regel die Leistungsbausteine der Reisausführungsbetriebe und bietet sie als touristisches Produkt an. Das Leistungsbündel seines Hauptproduktes, der Pauschalreise, erhält somit ganz überwiegend Fremdleistungen und nur im geringem Umfang Eigenleistungen des Veranstalters. Obwohl eine Legaldefinition des Reiseveranstalters rechtlich nicht bestimmt ist, weisen bestimmte Eigenschaften auf die Tätigkeiten eines Unternehmens als Veranstalter hin. (SCHEYDERHELM 1997, S. 14, 25).

Auch hier, wird wieder darauf verwiesen, dass die meisten Reiseveranstalter den Status eines  eigenen Unternehmens haben. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen das es wie von Pompl bekannt, nicht zwingend erforderlich ist, das ein Reiseveranstalter dieser Status eines Unternehmens hat bzw. als Unternehmer am Markt auftritt.

Der Reiseveranstalter,führt selbst oder mit Hilfe Dritter eine Reise bzw. Reiseveranstaltung durch, während der Reisevermittler,lediglich das Angebot (z. B. die vorgefertigte Pauschalreise) des Reiseveranstalters an den Kunden weitergibt, und somit als Handelvertreter den Reisevertrag aber mit dem Veranstalter zu Stande kommen lässt.

 

Reisevermittler oder Reiseveranstalter ?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Begriff des Reiseveranstalters neu definiert. Vor dieser neuen Definition, war ein Reisevermittler, der einem Kunden zwei Hauptreiseleistungen vermittelte wie z.B. Flug und Beförderung, nicht bereits deshalb ein Reiseveranstalter. Wer bisher zwei getrennte Einzelleistungen für seine Kunden gebucht, und diese auch abgerechnet hat, war nur Vermittler der Reise/ bzw. der Reiseleistungen, nicht jedoch, wie es jetzt gilt, ein Reiseveranstalter.

Für die Zukunft gilt, dass der Begriff der Pauschalreise so auszulegen ist, „dass er Reisen einschließt, die von einem Reisebüro auf Wunsch und nach den Vorgaben eines Verbrauchers organisiert werden“.

Die Begründung des EuGH ist, das dass Reisebüro durch die Verbindung von zwei verschieden Hauptleistungen im Voraus, zu einem Pauschalreiseveranstalter im Sinne der bestehenden EU – Richtlinie werde. Das hat zur Folge, dass Reisebüros/Reisemittler bei der Vermittlung von zwei Hauptleistungen anders als bisher als Reisveranstalter angesehen werden. Dadurch ergeben sich für das Reisebüro / den Reisemittler rechtliche Konsequenzen. So kann z.B. der Kunde bei Reisemängeln unmittelbar den Reisemittler, das Reisebüro in Regress nehmen. Der Reismittler haftet als unmittelbar wie der Reiseveranstalter, und ist zusätzlich dazu verpflichtet, sich eine Kundengeldabsicherung gegen Insolvenz zu beschaffen.

 

Nach §§ 651 a ff BGB hat ein Reisvermittler nur dann die Pflichten eines Reiseveranstalters, wenn er:

  • eine Reise aus Einzelleistungen zusammenstellt oder zumindest eine Reiseleistung gestaltet
  • das so gestaltete Paket auch selbst anbietet

Bietet der Reisevermittler jedoch nur lediglich die Reiseleistungen Dritter an, oder verkauft Leistungen die für sich genommen keine „Reiseveranstaltung“ darstellt, so behält er weiterhin den Status eines Reisevermittlers.

Beziehungsbildende Tourismusunternehmen

Reiseveranstalter und Reisemittler, zählen nach C. Kasper zu den beziehungsbildenden Tourismusunternehmen. Denn diese Unternehmen stellen eine Beziehung zwischen dem Tourismussubjekt (Touristen) und dem Tourismusobjekt (Tourismusbetriebe, Tourismusort und Tourismusorganisationen) her. Auch örtliche, regionale und staatliche Tourismus-organisationen wie auch Luftverkehrsgesellschaften (eigenes Reservierungssystem) übernehmen durch die direkte Vermittlung und den Verkauf von touristischen Leistungen Aufgaben beziehungsbildender Tourismusunternehmen. Allerdings stellte Kaspar (Die Tourismuslehre im Grundriss 1996) fest, das nur etwa ¼ der Reisen über beziehungsbildende Tourismusunternehmen (Reisebüros, Verkehrsbüros) organisiert werden (indirekter oder mehrstufiger Absatzweg).

Ein Reiseveranstalter ist :

  • Veranstalter von Pauschalreisen
  • Veranstalter von Teilpauschalreisen

Anzahl der Reiseveranstalter 2004

  • 5 Großveranstalter (> 1 Mio. TN)

  • 50 Mittelgroße Veranstalter

  • 1.400 Kleinveranstalter

  • 1.300 Busreiseveranstalter

  • Gelegenheitsveranstalter ?

    Funktion der Reiseveranstalter im Tourismusmarkt

    Die Reiseveranstalter (Tour Operator) erfüllen in der Tourismuswirtschaft eine wichtige Vermarktungsfunktion. So ist es zum größten Teil der Verdienst der Reiseveranstalter das verschiedene Reiseländer für deutsche Urlauber erschlossen wurden sind. So sind Reiseveranstalter ständig auf der Suche nach einem neuen touristischen Zielgebiet. Wurde ein neues Zielgebiet ins Auge gefasst, so werden Daten und Informationen  über das Klima, Relief, Temperaturen, Sonnentage, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten, Sprache und Kultur usw. gesammelt. Danach erfolgt eine Prüfung der potentiell vorhandenen  Marktchancen des Zielgebietes im derzeitigen Tourismusmarkt. Bei guten Marktchancen beginnt der Reiseveranstalter seine Produkte, die Pauschalreise zusammen zu stellen. Als erstes muss der Reiseveranstalter die Grundkomponenten einer jeden Reise, Transport und Beherbergung zusammenstellen. Dazu müssen Verhandlungen mit der örtlichen Hotellerie im Zielgebiet, sowie mit touristischen Carrier  geführt werden. Zu den beiden Grundleistungen, fügt der Reiseveranstalter zusätzliche Serviceleistungen wie z.B. Ausflüge, Touren, Mietwagen, Reiseleitung, Flughafentransfer und Zielortservice hinzu, so das eine komplette neue touristische Leistung – die Pauschalreise entsteht.

BWL Reisemittler und Reiseveranstalter
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