Tourismuslehre



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BWL der Reiseveranstalter Teil 2

Wie man aus der oben genannten Definition des Reiseveranstalters erkennen kann, kombiniert der RV eigene und fremde Sach- und Dienstleistungen zu einem eigenständigen Produkt, deshalb wird umgangssprachlich auch von der Produktion von Reisen gesprochen. Die Tätigkeit des Reiseveranstalters besteht in der Planung, Organisation und Abwicklung von Reisearrangements (H. Luft, Grundlegende Tourismuslehre)

Die Hauptaufgabe des Reiseveranstalters ist somit die Kombination verschiedener (Teil-) Leistungen von Hotel, Transportunternehmen und Reise-Nebenleistungen zur (Pauschal-) Reise (vergl. W. Freyer Tourismus1998)

Anzahl der Reiseveranstalter und Struktur des Veranstaltermarktes

In der 2003 von Prof. Kristges durchgeführten Analyse des Reiseveranstaltermarktes, kam man zu dem Ergebnis, dass der gesamte Reiseveranstaltermarkt in der Bundesrepublik Deutschland ca. 1550 Haupterwerbsreiseveranstalter umfasst. Neben diesen Veranstaltern existieren noch ca. 2370 Busreiseveranstalter die regelmäßig Busreisen organisieren, davon sind 1640 in der Busreiseveranstaltung tätig.

Zur Erläuterung der Grafik:

Die sechs Großveranstalter sind:

  • TUI AG

  • Thomas Cook AG

  • REWE Touristik

  • FTI Frosch Touristik GmbH

  • Alltours Flugreisen GmbH und

  • Öger Tours GmbH. An Öger Tours und ATT ist die Thomas Cook AG mit 10 % beteiligt

Zu den sieben mittelständischen Reiseveranstaltern gehören:

  • Ameropa-Reisen GmbH

  • Inter Chalet Ferienhaus GmbH

  • Novasol GmbH

  • Nazar Holiday Reiseveranstaltung GmbH

  • Seetours- German Brunch of Carnival

  • Olimar Reisen GmbH

  • Interhome GmbH

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Teilnehmerzahl und der Unsätze der oben erwähnten Reiseveranstalter

Vergleicht man die obige Tabelle, so stellt man fest, dass die deutschen Reiseveranstalter eine herausragende Position im europäischen Reisemarkt einnehmen. Auch auf dem internationalen Reiseveranstaltermarkt gehören europäische Reiseveranstalter neben den japanischen zu den größten Unternehmen der Welt. Auf dem deutschen Markt dominieren die deutschen Reiseveranstalter, europäische Veranstalter spielen auf dem deutschen Markt bisher nur eine  untergeordnete Rolle. Außereuropäische Veranstalter spielen auf dem deutschen Markt im Moment so gut wie gar keine Rolle.

 

Einteilung der Reiseveranstalter

 Einteilung nach der Größe:

Großveranstalter:  Hierzu zählen Veranstalter mit mehr als 1 Mio. Teilnehmer. In Deutschland zählen hierzu die sog. „Großen Sechs“ TUI, Thomas Cook, REWE Touristik, FTI, Alltours und Öger Tours.

Große mittelständische Veranstalter:  Diese Veranstalter haben zwischen 200 000 bis   1 000 000 Teilnehmer, hierzu zählen ca. 50 Unternehmen wie z.B. Ameropa, Nazar, Olimar Reisen GmbH und Interhome GmbH, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Seetours,  Phönix

Kleine mittelständische Veranstalter: Diese Veranstalter haben zwischen 20 000 und 100 000 Teilnehmer, dies sind meist regionale meist spezialisierte Veranstalter z.B.Studiosus. Ebenfalls gehören hierzu auch junge, starke expandierende Unternehmen.

Kleine Veranstalter: Die Kategorie umfasst ein breites Spektrum an Veranstaltern, hierzu gehören z.B. stark spezialisierte Veranstalter wie z.B. Wander- und Jugendveranstalter, Reisbüros mit Eigenveranstaltung oder Busunternehmen. Ein gemeinsames Kennzeichen dieser Veranstalter ist, dass sie meist weniger als 10 000 Teilnehmer haben (z.B. Wikinger Reisen, Attika, Schumann Reisen).

Gelegenheitsveranstalter: Unter diesem Begriff werden z.B. Organisationen, Vereine und Unternehmen verstanden, für die die Reiseveranstaltung nur eine Nebentätigkeit darstellt. Teilweise dient die Reiseveranstaltung auch als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit wie z.B. bei Leserreisen.

Einteilung nach der Angebotsregion

Multinationale Veranstalter: Zu diesen Unternehmen zählen nur einige Großunternehmen wie z.B. TUI oder Thomas Cook, diese Unternehmen bieten ihre Produkte in mehreren Ländern über eigene Niederlassungen oder über Beteiligungen an dortigen Unternehmen an (z.B. TUI, REWE, Thomas Cook)

Überregionale Veranstalter: Diese Veranstalter bieten ihre Reisen entweder in einem großen Gebiet (z.B. mehrere Bundesländer) an, sie verfügen über mehrere Abreiseorte (Abflughäfen, Zusteigeorte) oder sind auf den Versandabsatz spezialisiert, diese Unternehmen vertreiben ihre Reisen schriftlich, telefonisch oder über das Internet (z.B. Airtours international)

Regionalveranstalter: Diese Veranstalter bieten ihre Produkte in einem geographisch begrenzten Raum an, hierzu können jedoch auch die Großveranstalter zählen (z.B. Schuman Reisen)

Lokale Veranstalter: Reiseveranstalter dieser Gruppe operieren nur im Einzugsgebiet ihrer Niederlassungen (z.B. Busreiseveranstalter wie Wegis Reisen)

 

Einteilung nach der Programmspezialisierung

Die Angebote der einzelnen Reiseveranstalter sind von unterschiedlicher Programmtiefe und Programmbreite. Unter einer großen Programmbreite ist die Zahl der angebotenen Reisearten zu verstehen. Unter einer großen Programmtiefe ist die Zahl der angebotenen Produkte pro Reiseart gemeint. Bietet ein Reiseveranstalter  von jeder Reiseart, viele unterschiedliche Produkt an, so ist das Angebot des RV tief.

Generalisten: Sie bieten ein breites(Anzahl der angebotenen Reisearten) und zugleich tiefes (Anzahl der für jede Reiseart angebotenen Produkte) Programm an. Die Generalisten unter den Reiseveranstaltern versuchen den Markt so umfassend wie möglich abzudecken (z.B. TUI, Thomas Cook, REWE)

Sortimenter: Die Programmbreite dieser Veranstalter liegt zwischen denen der Generalisten und Spezialisten. Diese Reiseveranstalter sind oftmals auf mehrere große Marktsegmente spezialisiert, die erstellten Angebote sind meist von unterschiedlicher und nach Marktsegmenten differenzierter Programmtiefe (z.B. Airtours oder Windrose)

Spezialisten: Der Programmumfang dieser Reiseveranstalter ist kleiner, und spricht ein klar definiertes Publikum an. Sie haben meist eine geringe Programmbreite bei großer Programmtiefe. Sie verfolgen ein hohe Zielgruppenorientierung und sind meist auf Marktnischen (Hochzeitsreisen, Reisen mit der historischen Eisenbahn) spezialisiert. Die Reiseveranstalter sind z.B. auf  bestimmte Destinationen, Produkte oder Marktnischen spezialisiert.

Einteilung nach dem kommerziellen Status bzw. den wirtschaftlichen Zielen

Kommerzielle Reiseveranstalter: Der Unternehmenszweck eines kommerziellen Reiseveranstalter besteht darin, durch die Veranstaltung der Reise und dem Verkauf der Produkte, dauerhaft einen Gewinn zu erwirtschaften.

Gemeinnützige Reiseveranstalter: Die Veranstalter haben nicht das kommerzielle Interesse an Gewinnmaximierung, sie verfolgen eher soziale oder bildungspolitische Ziele. Die Reiseveranstaltung dient diesen Organisationen dazu, ihre Ziele zu erreichen.

Veranstalter der „Schwarztouristik“ Hierzu zählen Gelegenheitsveranstalter, die ihre Tätigkeit meist aus Unwissenheit nicht beim Gewerbeamt anmelden. Hauptsächlich vertreiben diese Schwarzveranstalter Gruppenreisen wie  z.B. Städtereisen, Schwarzreiseveranstalter erzielen einen jährlichen Umsatz von ca. 2-3 Mio. Euro.

Weitere in der Branche übliche Unterscheidungen sind:

-         Flugpauschalreiseveranstalter (Tui, Thomas Cook, REWE)

-         Busreiseveranstalter

-         Fernreiseveranstalter (Poncho Tours)

-         Special-interest-Veranstalter (Panopera)

Die Pflichten des Reiseveranstalters

      Gewissenhafte Vorbereitung der Reise

Der Reiseveranstalter hat für die angebotene Reise termingerechte vertragliche Vereinbarungen mit den einzelnen Leistungsträgern zu treffen und die Einzelleistungen aufeinander abzustimmen.

      Auswahl und Überwachung der Leistungsträger

Der Reiseveranstalter muss sich die Leistungsträger, mit denen er zusammenarbeitet sorgfältig aussuchen und sie auf ihre Geeignetheit und Zuverlässigkeit zu überprüfen. Nach dem sog. Balkonsturzurteil, ist der RV sogar dazu verpflichtet, die Verkehrssicherheit von Hotels regelmäßig zu überprüfen, diese Forderung ist allerdings in der Praxis meist nicht zu erfüllen.

      Informationspflicht

Der RV ist verpflichtet seinem Kunden alle notwendigen Informationen für die gebuchte Reise zu geben, hiezu zählen z.B. Einreisbestimmungen, Terrorwarnungen der Bundesregierung, Baumaßnahmen am Hotel… Gesetzlich ist der RV nach der Verordnung über die Informations- und Nachweispflichten nach bürgerlichem Recht gemäß Abschnitt 3 „Informationspflichten von Reiseveranstaltern“ zu folgenden Informationen verpflichtet:

1. Pass- und Visumerfordernisse, insbesondere über die Fristen zur Erlangung dieser Dokumente. Diese Verpflichtung bezieht sich auf die Erfordernisse für Angehörige des Mitgliedstaates, in dem die Reise angeboten wird,

2. gesundheitspolizeiliche Formalitäten, soweit diese Angaben nicht bereits in einem von dem Reiseveranstalter herausgegebenen und dem Reisenden zur Verfügung gestellten Prospekt enthalten und inzwischen keine Änderungen eingetreten sind.

 

  • Vertragsgerechte Leistungserbringung

Der Reiseveranstalter muss die vertraglich vereinbarten Leistungen erfüllen.                                                                         

Quelle: Pompl, Touristikmanagement, 1997, S 32

Produkte des Reiseveranstalters

·        Standardreise

·        Teilpauschalreise

Die Teilpauschalreise enthält nur eine der beiden Hauptleistungen Transport oder

Beherbergung sowie eine oder mehrere Nebenleistungen

·        All-inclusive-Reise

·        Individuelle Pauschalreise

·        Kundenspezifische Reise 

     (Quelle: Pompl, Touristikmanagement, 1997, S 33)