Tourismuslehre



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Geschichte der Tourismuswissenschaft

Autor: Marc Sölter

Auch diese Arbeit hatte ich bei wikipedia veröffentlicht, leider wurde sie von einem anderen Benutzer so erheblich gekürzt, dass die Zusammenhänge fehlen. Dehalb hier die komplette Arbeit

Zu einen der ersten, der den Versuch unternommen hat, eine Gesamtdarstellung des Tourismus zu liefern, zählte Stradner (1905) mit seinem Buch „Der Fremdenverkehr, ein volkswirtschaftliche Studie“, Stradners Blick galt der Konsumfunktion und der damit verbundenen Geldströme. Ebenso versuchte Stradner den Fremdenverkehr begrifflich vom übrigen Reiseverkehr abzugrenzen zu den definitorischen Kriterien zählte Stradner die Freiwilligkeit des Ortswechsels und den Luxuskonsum. Stradner versuchte eine Art „Volkswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs“ zu entwickeln. . In dem in Handwörterbuch für Nationalökonomie und Statistik veröffentlichten Artikel „Fremdenverkehr und Volkswirtschaft, führte Prof. H. v. Schullern zu Schrattenhofen eine der ersten/ die erste wissenschaftliche Untersuchung durch, welche den Fremdenverkehr als ein eigenständiges Objekt behandelte. Schullern zu Schrattenhofen war in seiner Arbeit auf Begriffsklarheit und somit auf Begriffsbestimmungen angewiesen, die er sich selbst schaffen musste. Es lag somit der erste Versuch einer gesamthaften Fremdenverkehrsforschung vor, der weit über die Betrachtungsweisen der damaligen Geisteswelt hinausging (Bernecker 1984). Im Jahre 1914 wurde in Düsseldorf die höhere Fachschule, das "Internationale Institut für das Hotelbildungswesen" gegründet. Dieses Institut wurde 1920 zur "Hochschule für Hotel- und Verkehrswesen" erweitert, wurde allerdings bereits 1921 bedingt durch die Inflation geschlossen (verg. DSF). Damit scheitete auch der Plan des Leiters der Hochschule, Dr. Robert Glücksman, ein Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr an der Hochschule in Düsseldorf zu gründen. Auch Paul Neff trug mit seinem Buch "Über den internationalen Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor" zu den Definitionsbemühungen des Begriffs "Fremdenverkehr" bei. Neff versteht unter Fremdenverkehr:

  • Die Gesamtheit aller Bewegungen von Personen, die aus wirtschaftlichen, kulturellen Gründen, zu beruflichen, sportlichen, gesundheitlichen und vergnüglichen Zwecken ihren Wohnsitz, ohne Aufgabe der mit ihm verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, zu vorübergehenden Aufenthalt verlassen (zitiert in Spatt, Allgemeine Fremdenverkehrslehre)

Diese Definition ist deshalb so bemerkenswert, weil sie in einer Periode erster Bemühungen um eine echte wissenschaftliche Klärung des Phänomens Fremdenverkehr entstanden ist. In den zwanziger Jahren entstand, von Italien und der Schweiz ausgehend, auch in Deutschland die Wissenschaft vom Fremdenverkehr als eine der Betriebs- und Volkswirtschaft nachstehende Disziplin, die sich die wissenschaftliche Erforschung des Fremdenverkehrs zur Aufgabe gemacht hat (Knebel 1960. W.) Die Gründung der World Tourism Organization 1924 lässt die internationale Bedeutung des Tourismus erkennen. In dem einflussreichem Handwörterbuch der Staatswissenschaften, erschien erstmals ein Artikel „Fremdenverkehr“ (vergl. Spode 1998). Dies war der Artikel von W. Morgenroth, er entwickelte bereits wesentliche Elemente des Fremdenverkehrsbegriffs (vergl. Hoffmeister/Steinecke 1984) Morgenroth klassifizierte bereits 1927 Arten des Fremdenverkehrs. Führ ihn gibt es die Arten des Fernverkehrs und Nahverkehrs, des internationalen, des Ausländerfremdenverkehr, des Verkehrs innerhalb der Grenzen des eigenen Staats, der gleichen Gegend, der Nachbarorte usw. (vergl. Mogenroth 1927). So zeigt Morgenroth in seinem Artikel, dass der Fremdenverkehr nicht nur den unmittelbar am Fremdenverkehr beteiligten Wirtschaftsgruppen Vorteile bringt, sondern das so gut wie fast jeder Betriebe/Einheimischer vom Fremdenverkehr profitiert. Im Jahr 1928 wurde in Berlin der erste Fortbildungskurs zum Thema Fremdenverkehr durchgeführt. Das Programm dieses Kurses, spiegelte die damalige Auffassung von Robert Glücksman, dem zukünftigen Leiter des Forschungsinstitutes für Fremdenverkehr wieder (vergl. DSF). Denn "Fremdenverkehr", so Robert Glücksmann, "ist keine Wissenschaft", sondern ein komplexes soziales Phänomen, dessen "Ursachen, Mittel und Wirkungen" mit wissenschaftlichen Methoden diverser Disziplinen erforscht werden müssen (DSF 1987). Auf diesem Kurs wurden unterschiedliche Vorträge wie z.B. Eisenbahn und Fremdenverkehr, Messe und Ausstellungswesen, die Betriebswirtschaft des Hotels, Fremdenverkehr und Zahlungsbilanz behandelt. Die auf diesem Kurs gehaltenen Vorträge wurden 1929 von der IHK Berlin in einem Sammelband veröffentlicht. So erschien 1928 in der Zeitschrift "Verkehr und Bäder" ein Artikel mit der Überschrift "Fremdenverkehr als Wissenschaft" in dem eine Zusammenfassung der ersten Vorträge des Kurses vorgestellt wurde. Leopold v. Wiese gab der sich entwickelnden Fremdenverkehrswissenschaft die Anregung, den Fremdenverkehr unter beziehungswissenschaftlichem Aspekt zu sehen und zu beschreiben (vergl. Knebel 1960). Dieser soziologische Vorstoß wurde von den Forschern zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht weiter ausgebaut. Für den am Berlinger Forschungsinstitut für Fremdenverkehr Angestellte W. Benscheid ist der Fremdenverkehr mit Sicherheit Wirtschaft, aber eben nicht nur Wirtschaft, sondern er deckt auch andere nicht wissenschaftliche Gebiete (vergl. Benscheid 1932/33). So steht nach Benscheid die Fremdenverkehrswissenschaft auf einer anderen wissenschaftlichen Warte als die Nationalökonomie, viele Fragestellungen werden zwar unter nationalökonomischen Gesichtspunkten betrachtet, aber ebenfalls ist die Fremdenverkehrswissenschaft auch in der Lage Fragen zu behandeln, die der Nationalökonomie nicht zustehen (vergl. Benscheid 1932/33).'''Um das Gebiet der Fremdenverkehrswissenschaft genügend umreißen und erschöpfen zu können, ist eine klare Bestimmung des Begriffs Fremdenverkehr erforderlich''' Artur Bormann vertritt einen anderen Standpunkt als Glücksmann und Benscheid, für die Fremdenverkehrswissenschaft im besonderen der Verkehrslehre zuzurechnen. Wahrscheinlich ist Bormanns Sichtweise durch den Artikel von Wilhelm Morgenroth "Fremdenverkehr" (vergl. Morgenroth 1927)geprägt, denn für diesen ist Fremdenverkehr ''der Verkehr der Personen, die sich von ihrem Dauerwohnsitz entfernen um zur Befriedigung von Lebens- und Kulturbedürfnissen oder persönlichen Wünschen verschiedenster Art anderwärts, lediglich als Verbraucher von Wirtschafts- und Konsumgütern, zu verweilen. ''

Die Berliner

Am 1 März 1929 wurde in Berlin das Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr gegründet. Gelehrt wurden z.B. (Auszug aus dem Vorlesungsverzeichnis von 1931/32 Quelle DSF 1987)

  • Bau und technische Einrichtung von Gaststätten
  • Einführung in die Fremdenverkehrskunde
  • Messe und Ausstellungswesen
  • Kur und Bäderwesen
  • Personenverkehr der Reichsbahn...

Die angebotenen Vorlesungen und Seminar führten jedoch zu keinem akademischen Abschluss und waren auch recht schlecht besucht, teilweise mussten Vorlesungen mangels Nachfrage ausfallen. Nach der Gründung des Forschungsinstituts für Fremdenverkehr an der Handelshochschule Berlin Ende der zwanziger Jahre, tritt der Geograph GRÜNTHAL (1934) mit seinen touristischen Forschungsarbeiten an die Fachöffentlichkeit. Seiner Ansicht nach hat die Fremdenverkehrsgeographie primär die Aufgabe die Verbreitung des Fremdenverkehrs darzustellen, und die Wechselbeziehungen zwischen ihm und den natürlichen Erscheinungen auf der Erdoberfläche zu untersuchen(Marc Sölter: Skript Geographie der Erholung und des Tourismus) Den entscheidenden Anschub für die Fremdenverkehrslehre gab das von Glücksmann publiziert "Archiv für den Fremdenverkehr", diese Vierteljahreszeitschrift gab den von Glücksmann propagierten interdisziplinären Ansatz wieder. Zwar waren die meisten Beiträge Nationalökonomie und Statik, jedoch wurden auch soziologische Beiträge wie z.B. der Beitrag von L. Wiese "Fremdenverkehr als zwischenmenschliche Beziehung" veröffentlicht.

Auch ein Artikel von W. Benscheid "Die Lehre vom Fremdenverkehr als Wissenschaft" wurde im Archiv veröffentlicht. Jedoch wurde das Institut bereits 1934 geschlossen und es erfolgte die Einstellung des Archiv für den Fremdenverkehr. Der Grund war die Weltwirtschaftskrise sowie die jüdische Abstammung Glücksmanns (vergl. Spode). Trotz der Schließung des Instituts publizierte Glücksmann 1935 sein Buch "Allgemeine Fremdenverkehskunde" das neben dem Buch von A. Bormann "Die Lehre vom Fremdenverkehr 1931" zu einem der ersten Lehrbücher zum Fremdenverkehr zählt. Wenn auch das Berliner "Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr" im Zuge politischer Veränderungen geschlossen werden musste, so trat an seine Stelle das im gleichen Jahr (Februar 1934) gegründete "Institut für Fremdenverkehrsforschung" an der Hochschule für Welthandel in Wien (vergl. Bernecker 1984). So wurde dort auch 1940 der "Reichshochschulkurs für den Fremdenverkehr" ins Leben gerufen. Dieser Kurs existiert heute immer noch, allerdings unter der Bezeichnung "Universitätslehrgang für Fremdenverkehr bzw. Tourismus". In Deutschland wurde zwar 1939 in Frankfurt die "Herrmann-Esser-Forschungsgemeinschaft für den Fremdenverkehr" gegründet, allerdings wurden dort die Gedanken Glücksmanns (einer interdisziplinären Fremdenverkehrslehre) nicht wieder aufgenommen. Vielmehr war das Ziel die Förderung des deutschen Fremdenverkehrs. Auch die Gründung (Jan. 1942) des Instituts für Betriebswirtschaft des Fremdenverkehrs als Bestandteil der Staats- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg, brachte die Fremdenverkehrswissenschaft in Deutschland nicht weiter. Das 1950 gegründete "Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr" entfernte sich recht schnell wieder von der akademischen Forschung und pflegte eine enge wirtschaftliche Praxisorientierung (vergl. Spode) Von Seiten der geographischen Fremdenverkehrsforschung ist besonderst die von Poser verfasste Arbeit "geographische Studien über den Fremdenverkehr im Riesengebirge" zu erwähnen. Denn Poser formulierte ein methodologisches Konzept, das die Fragestellungen der Fremdenverkehrsgeographie bis in die sechziger Jahre grundlegend geprägt hat (vergl. Kulinat/Steinecke)

 

Die Schweizer

Fremdenverkehr ist zum Gegenstand einer eigenen Wissenschaft, der "Fremdenverkehrslehre" bzw. "Fremdenverkehrswissenschaft" geworden, die 1942 von den Schweizern W. Hunziker und K. Krapf mit folgender Definition begründet wurde (Opaschowski 1989)

  • Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern daraus keine dauernde Niederlassung entsteht und keine Erwerbstätigkeit verbunden ist(Hunziker/Krapf 1942).

In St. Gallen Wurde die Studien und Diplomrichtung Fremdenverkehr bzw. das "Seminar für Fremdenverkehr" an der Handelshochschule St. Gallen 1941 ins Leben gerufen, welches mit W. Hunziker als Seminarleiter besetzt wurde. Im gleichen Jahr, noch vor St. Gallen, wurde in Bern das "Forschungsinstitut für Fremdenverkehr" gegründet, dessen Leiter wurde K. Krapf. Auch die schweizer Zentrale für Verkehrsförderung veranstaltete 1941 bereits Fachkurse für Fremdenverkehr. In allen Fällen war die Tendenz unverkennbar, die wissenschaftliche Behandlung des Fremdenverkehrs auf dem Wege von Forschung und Lehre mit den Wirtschaftswissenschaften zu verbinden, wenn sich auch die Eigengesetzlichkeit des Fremdenverkehrs in Schöpfungen wie dem Forschungsinstitut für Fremdenverkehr in Berlin bereits Bahn zu brechen begann (Hunziker/Krapf 1942 S. 28)Die beiden Schweizer Forscher nahmen die Ansätze von Glücksmann auf, und bemühten sich um die Weiterentwicklung der Disziplin. Im Jahr 1942 publizierten die Institutleiter und Professoren Huniker und Krapf, das Werk: "Grundriß der allgemeinen Fremdenverkehrslehre" ein Werk, das Jahrzehnte als Standardwerk für die Grundlagenforschung im Fremdenverkehr galt (Bernecker 1984). Hunziker und Krapf würdigten in diesem Werk die Verdienste von Robert Glücksmann und bezeichneten die Organisation und Tätigkeit des Berliner Forschungsinstituts als vorbildlich, außerdem habe das Institut innerhalb seiner verhältnismäßig kurzen Zeit bahnbrechend gewirkt und ein umfassendes Programm in die Tat umgesetzt(vergl. Hunziker/Krapf S. 27).Die beiden Professoren wollten weg von der eher ökonomisch geprägten Fremdenverkehrsforschung, sie verfolgten eine breite kulturwissenschaftliche Erforschung des Fremdenverkehrs. Hunziker unternahm den Versuch eine "wissenschaftliche Fremdenverkehrslehre" zu schaffen und wollte eine völlig neue Disziplin erschaffen, den Ansatz hierzu entwickelte er in Anlehnung an Weber und besonderst Sombart (vergl. Spode).

Fremdenverkehr war für Hunziker erkenntnistheoretische gesprochen: ein gedachtes - "System", das wiederum ein "Grundelement" des modernen "Kultursystem" bildet und mit diesem in Wechselbeziehung steht (vergl. Spode). Das Institut in St. Gallen, legte im Gegensatz zum Berner Institut sein Hauptaugenmerk auf die Lehre und Ausbildung. Von beiden Instituten wird noch bis heute, eine Schriftreihe herausgegeben, die sich mit aktuellen Themen der Tourismusforschung befasst.. Die Schweizer Fremdenverkehrsforschung besonderst die von Hunziker, trug zu einem Lehrgebäude der Fremdenverkehrslehre und der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs bei (Huniker 1952/53)

Die Österreicher

Das 1939 gegründete Wiener Institut für Fremdenverkehrsforschung baute nach 1959 seine wissenschaftliche Forschungstätigkeit mit eigenen Gliederungs- und Systemansätzen aus (vergl. Bernecker 1984) Besonderst der ab 1951 zunächst als Dozent und später als Professor tätige Paul Bernecker trieb mit seinen Veröffentlichungen "Der moderner Fremdenverkehr 1955", "Die Stellung des Fremdenverkehrs im Leistungssystem der Wirtschaft 1956" und der "Grundlagenlehre des Fremdenverkehrs" die moderne Fremdenverkehrswissenschaft voran. Besonderst die Etablierung der Tourismusforschung als spezielle Betriebswirtschaftslehre, ist ein Verdienst von Bernecker. Paul Bernecker gilt zusammen mit seinen beiden Schweizer Kollegen Walter Hunziker (St. Gallen) und Kurt Krapf (Bern) als Begründer der wissenschaftlichen Fremdenverkehrsforschung im deutschen Sprachraum (J.Mazanec WU-Memo).Dem Wissenschaftler Bernecker lag immer die Praxis am Herzen, deshalb hatte er auch die "Gesellschaft für Fremdenverkehrswissenschaft" in Leben gerufen (Festschrift Bernecker 70Jahre). Das Institut für Fremdenverkehrsforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien veröffentlichte die Reihe "Beiträge zur Fremdenverkehrsforschung" und ist das älteste Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr/Tourismus im deutschsprachigen Raum. Auf der anderen Seite waren die Österreicher/Bernecker bemüht auch Praktikern ohne Hochschulzugangsberechtigung den Zugang zur Fremdenverkehrswissenschaft zu ermöglichen, so setzte sich Bernecker für den Ausbau des Hochschullehrgangs für Fremdenverkehr ein, an den eben auch Praktiker bzw. Personen ohne Matura teilnehmen durfte.

 

 

Die Verdienste von Hunziker/Krapf/Bernecker

Als Vordenker und Strategen des Wissenschaftsgebäudes "Fremdenverkehr" haben die drei Forscher eine stattliche Anzahl von Forschern aus mehreren wissenschaftlichen Disziplinen dazu veranlasst die Erscheinung "Fremdenverkehr" näher zu untersuchen (vergl. Kaspar in ITV). Als Wirtschaftswissenschaftler beschäftigen sich Hunziker/Krapf/Bernecker vorwiegend mit der wirtschafts-wissenschaftlichen Durchdringung des Fremdenverkehrs. Huniker/Krapf veröffentlichten mit dem Buch "Grundriß der allgemeinen Fremdenverkehrslehre" ein Lehrbuch was über Jahrzehnte hinweg, das Grundlehrwerk für die Ausbildung im Fremdenverkehr darstellte. Dieses an ein breites Fachpublikum gerichtete Werk, wirkte paradigmatisch hinsichtlich Definition, Systematik und Justierung des Disziplin "Fremdenverkehr" (vergl. Spode).Nach Huniker und Krapf, kann die Fremdenverkehrslehre nicht den Wirtschaftswissenschaften zugerechnet werden, da sie Begriffs- und Erscheinungskomplexe umfasst, die ausserwirtschaftlicher Natur sind. Ebenfalls ist die Fremdenverkehrslehre keine Beziehungslehre, aber immerhin steht sie der Soziologie näher als den Wirtschaftswissenschaften (vergl. Hunziker/Krapf 1942). Die Fremdenverkehrslehre muss also eine Sonderstellung in der wissenschaftlichen Behandlung beanspruchen, denn sie zieht ihre Erkenntnisse aus verschiedenen Wissensgebieten und verwendet diese zur Klärung ihrer Phänomene (vergl. Hunziker/Krapf). Ein wichtiges Erkenntnis war also das die Fremdenverkehrslehre kein spezieller Zweig der Wirtschaftswissenschaft ist, sondern eine wissenschaftliche Sonderstellung einnimmt. Huniker schlug vor den Tourismus als Kulturerscheinung zu verstehen, und versuchte eine wissenschaftliche Fremdenverkehrslehre zu entwickeln. Diese wissenschaftliche Fremdenverkehrslehre zählt auf gar keinen Fall zu den Wirtschaftswissenschaften, sondern gehört als empirische Kulturwissenschaft der Soziologie an (vergl. Spode).Das System der wissenschaftlichen Fremdenverkehrslehre hatte das Potential zu einer Theorie des Tourismus ausgebaut zu werden, und den reinen Fokus von wirtschaftlicher Fremdenverkehrsforschung zu überwinden und somit die Beschränkungen einer Randständigen semi-akademischen Kunstlehre zu überwinden (vergl.Spode).

Auch die Gründung der AIEST, der wissenschaftlichen Vereinigung von Fremdenverkehrsexperten ist den Bemühungen von Hunziker und Krapf zu verdanken. Beide fühlten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Bedürfnis, die Früchte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit einem weiteren Kollegenkreis zugänglich zu machen, die unterbrochenen internationalen wissenschaftlichen Beziehungen im Fremdenverkehr neu zu knüpfen und sie - wie auch die touristisch orientierte wissenschaftliche Arbeit selbst - weiter zu entwickeln (Internetseite der AIEST). Besonderst Hunziker erkannte schon früh, das die Ausstrahlungen des Fremdenverkehrs im Bezirke der Volksgesundheit, der Technik, der Kultur im engeren Sinne, der sozialen Fragen und der Politik, bringen es mit sich, dass die Erkenntnisse über ihn (den Fremdenverkehr)durch Wissensgebiete wie die Medizin, die übrigen Naturwissenschaften, die technischen Wissenschaften, die Philosophie, die Psychologie und Geschichte entscheidend gefördert werden können (vergl. Huniker 1954). Im Grunde genommen wollte Huniker damit sagen, das eine monotone volks- und betriebswirtschaftliche Sichtweise, keinesfalls ausreicht um alle Erscheinungen des Fremdenverkehrs zu erfassen bzw. zu verstehen. Daher plädierte er schon recht früh, für eine interdisziplinäre Betrachtung der Phänomens Fremdenverkehr.

 

Paul Berneckers zweckmäßige Abgrenzung der Erkenntnisobjekte sowie die systematischen Ordnungsgerüste für Fremdenverkehrsarten und -formen oder für die touristischen Betriebstypen blieben bis heute erhalten (vergl. Mazanec WU Memo)Zu den Bemühungen Bernecker zählt ebenfalls der Versuch die Tourismuspolitik wissenschaftlich zu untermauern, denn diese sollte im Stande sein, jederzeit verfügbare Entscheidungshilfen zu liefern.

 

 

Entwicklungen von der 50er bis in die 70er Jahre

Trotz des aufkommenden Massentourismus, und der gestiegenen Nachfrage nach touristischen Produkten, hat sich zur dieser Zeit die Fremdenverkehrslehre kaum weiterentwickelt. Das eines der einzigen Lehrbücher (neben der 1962 erschienenen Gesamtdarstellung von Bernecker) das zu dieser Zeit erschien, war das Buch von K. Zinnburg (kleine Fremdenverkehrslehre 1966) Auch W. Hunziker kritisierte in seinem Beitrag "Die Fremdenverkehrslehre - eine systemkritische Betrachtung 1973" das das damaligen Schriftentum von Spezialistentum im Fremdenverkehr geprägt war. Demgegenüber kommt Gesamtdarstellungen zum Fremdenverkehr eher ein Seltenheitswert zu (vergl. Hunziker 1973).So widmete sich die Forschung der Nachkriegszeit eher wirtschaftlichen Fragen, vornehmlich solche von anwenderorientierten Zuschnitt und begrenzter Reichweite (vergl. Spode). Spezialistentum war gefragt, und so fiel die etablierte Fremdenverkehrswissenschaft selbst hinter den Stand des Glücksmann-Instituts (Spode 1998). Das Konzept von Hunziker von einer "wissenschaftlichen Fremdenverkehrslehre" geriet in Vergessenheit und es wurde mehr eine Kunstlehre anstatt echter Wissenschaft betrieben. So schrieb selbst Hunziker in seinem Artikel "Gegenwartsaufgaben der Fremdenverkehrswissenschaft", das es von nun an Aufgabe bzw. die Verpflichtung der Fremdenverkehrswissenschaft sei, den wirtschaftlichen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Auch der Fremdenverkehrsgeographie, einem Teilgebiet der Fremdenverkehrswissenschaft, mangelte es zu dieser Zeit an theoretisch angelegten freizeit- und fremdenverkehrsgeographischen Arbeiten, so wurden überwiegend fremdenverkehrsgeographische Fallstudien angefertigt (vergl. Jurczek)

.In der damaligen DDR an der Friedrich-List-Hochschule Dresden, diplomierten ab 1958 die ersten Studenten zu Fremdenverkehrsthemen (vergl. Godau 1991) Am 1. September 1964 wurde der Lehrstuhl "Ökonomik des Fremdenverkehrs" eingerichtet und 1967 die "Fachgruppe Fremdenverkehr" zur Koordinierung aller an der Fremdenverkehrsausbildung beteiligten Disziplinen (vergl. Godau 1991). Auch an der Handelshochschule in Leipzig wurde im Tourismus, vorwiegend im Gaststätten- und Hotelwesen ausgebildet. Eine wichtige Publikation ist das 1969 erschiene Buch "Wissenschaftliche Aspekte des Fremdenverkehrs", es versteht sich als Zusammenfassung von Aspekten der wichtigsten Wissenschaftszweige zum Tourismus. In diesem Buch wird der Fremdenverkehr interdisziplinär betrachtet, wichtige Artikel sind z.B. "Zur Soziologie des Fremdenverkehrs", "Psychologie und Fremdenverkehr", "Medizinische Aspekte des Fremdenverkehrs- und Erholungswesens" und der Artikel "Wirtschaftswissenschaft und Fremdenverkehr". Auch der AIEST wurde ab 1960 klar, das eine Erweiterung des Forschungshorizonts im Sinne interdisziplinärer Aktivität, einem Gebot entsprach. Im Jahre 1960 versuchte Knebel mit seinem Buch "Soziologische Strukturwandelungen im modernen Tourismus" eine Art "Tourismus-Soziologie" zu begründen. Auch Leugger versuchte 1966 Ansätze für eine Soziologie des Verkehrswesens und des Fremdenverkehrs zu geben. Auf außeruniversitärer Basis konnte eine weitgehend soziologische Tourismusforschung Fuß fassen, die eng mit der Gründung (1961) des Starnberger-Studienkreis für Tourismus verbunden war. (vergl. Spode). Die Geburtsstunde einer psychologischen-soziologisch orientierten und für interdisziplinäre Kooperation aufgeschlossenen Tourismuswissenschaft kam mit der Gründung des Studienkreises für Tourismus also im Jahre 196(vergl. Hahn/Kagelmann 1993).

Die damalige Freizeitwissenschaft schenkte der Fremdenverkehrswissenschaft bzw. dem Tourismus kaum Aufmerksamkeit. Eine Ausnahme ist das Buch von Gierske/Keil/Perle "Pädagogik des Jugendreisen". Von Seiten der Fremdenverkehrsgeographie, wurde vermehrt versucht die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Erdoberfläche in die Fremdenverkehrsforschung mit einzubeziehen. 1968 wurde von Ruppert und Maier die sog. "Geographie des Freizeitverhaltens" der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Von den 70er bis heute

Gleich zu Beginn der 70er Jahre wurden ein neues Lehrbuch von Gustav Zedek mit dem Titel "Fremdenverkehr. Grundlagen und Instrumentarium" veröffentlicht. Zedek entwickelte eine Definition des Fremdenverkehrs, bei der der Fremdenverkehr auch mit der Freizeitgestaltung in Zusammenhang gebracht wird (vergl. Spatt 1974). Nach Zedek ist Fremdenverkehr "der Inbegriff der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen als auch emotionellen Beziehungen und Erscheinungen unter Einfluss von Aspekten der Freizeitgestaltung, der Grunderhaltung oder Wiederherstellung und der Förderung und der Pflege zweischenmenschlicher Begegnungen, sowie der Wahrnehmung von Bildungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Ausflug, Reise und Aufenthalt nicht orstsansässiger Personen, sofern damit keine dauernde oder zeitweilige hauptsächlihce Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.

In diese Definition versuchte Zedek möglichst viele Erscheinungen des Fremdenverkehrs zu integrieren und lies auch soziologische und psychologische Aspekte mit in diese Definition einfließen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Fremdenverkehr, setzt voraus, das über die Erscheinung selbst Klarheit besteht (vergl. Hunziker 1972). Da aber zu Beginn der 70er Jahre die Erscheinung des Fremdenverkehrs einen erheblichen Aufschwung erfahren hatte und immer komplexer wurde, bestand die Notwendigkeit den Fremdenverkehrsbegriff/-definition, neu zu bestimmen. So wurde bisher von der AIEST (wissenschaftliche Vereinigung der Fremdenverkehrs-Experten) meist folgende Tourismusdefinition verwendet:

 

Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung begründet und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden wird.''

 

Diese Definition streicht die reine Konsumorientiertheit als Charakteristikum der Fremdenverkehrs besonderst heraus, was bedeutet, dass der gesamte Geschäftsreiseverkehr auszuklammern ist (Schadlbauer 1973). Ebenfalls sind in dieser Definition, Zweitniederlassungen wie Eigentumsferienwohnungen und -häuser nicht berücksichtigt. Auch die Bezeichnung des "Ortsfremden" in dieser Definition, ist nicht mehr zeitgemäß, da nur wage Vorstellungen darüber bestehen wie lange eine Person "ortsfremd" ist. Ein weiteres großes Thema der Fremdenverkehrswissenschaft der siebziger Jahre, war die Marktforschung, gerade hier hatte die Fremdenverkehrswissenschaft in den letzten Jahren beachtliche Erfolge zu verzeichnen (vergl. Hunziker 1972)

 

 

Walter Hunziker

So stellte auch Hunziker (in Festschrift Bernecker 1973) fest, das dass, was von ihm vor 30 Jahren noch zu begründen war (gemeint ist die Fremdenverkehrslehre), heute nicht mehr bestritten wird, nämlich, dass der Fremdenverkehr Gegenstand der wissenschaftlichen Behandlung sein kann und man von einer Fremdenverkehrswissenschaft im Sinne von Max Weber und Sombarst sprechen darf. Die Frage ob es eine Fremdenverkehrswissenschaft gäbe, beantworte sich schon daraus, dass der Fremdenverkehr an Hochschulen gelehrt wird und das sich dort und anderswo, wissenschaftliche Institute und Persönlichkeiten mit seinen Problemen beschäftigen (vergl. Hunziker 1972). Der Fremdenverkehr, stellt für Hunziker ein fest umrissenes Phänomen dar, welches sich mit wissenschaftlichen Methoden bearbeiten lässt und das wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelt (vergl. Hunziker 1972). Welche Dienste leistet die Fremdenverkehrswissenschaft? Hierauf gab Hunziker (1972) folgende Antwort:

Die Dienste und zugleich Verdienste der Fremdenverkehrswissenschaft bestehen darin,

 

 

· das sie zum Verständnis des, wie gesagt, höchst vielgestaltigen Wesens des Fremdenverkehrs beiträgt,

 

· das sie dergestalt die verschiedenartigen Begriffe, die mit dem Fremdenverkehr verbunden sind, klarer fassen und verstehen hilft,

· das sie, wiederum in Verbindung damit, den Aufbau einer Fremdenverkehrslehre ermöglicht, der nicht nur theoretische, sondern hauptsächlich auch für die Fremdenverkehrsausbildung eminent praktische Bedeutung zukommt,

· das sie die Lösung der Probleme ermöglicht oder zumindest erleichtert, die sich dem Fremdenverkehr wirtschaftspolitisch und betriebswirtschaftlich stellen.

 

 

Betrieben wird die Fremdenverkehrswissenschaft naturgemäß in erster Linie an der Hochschulen. Eine eigene Hochschule für Fremdenverkehr, würde nach Hunziker (1972) nur in einem sehr günstigen Fall zu verwirklichen sein. Vielmehr dürfte jedoch die Angliederung an eine bestehende Wirtschaftshochschule oder wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität in Betracht kommen (Hunziker 1972). Diese Aussage verwundert etwas, so waren es doch Hunziker/Krapf, die sich Jahre zuvor für eine breite kulturwissenschaftliche Erforschung der Fremdenverkehrs einsetzten.

 

Nach Überprüfung der systematischen Gliederung des touristischen Lehrgebäudes, kam Hunziker zu dem Ergebnis, das die von ihm vorgeschlagene Trennung in Allgemeine Fremdenverkehrslehre und Besondere Fremdenverkehrslehre nicht weiter zu verantworten ist (vergl. Festschrift Bernecker 1973). Von nun an, tritt die Funktionslehre an die Stelle der Besonderen Fremdenverkehrslehre. Ebenfalls sollen Wissenschaftsgebiete wie die Soziologie und das Recht, sowie die Benutzung von Methoden der Ökonometrie in die Fremdenverkehrslehre integriert werden. Das neu vorgeschlagene Schema sah so aus:

  • 1. Der Fremdenverkehr in Lehre, Forschung und Ausbildung
  • 1.1. Die Fremdenverkehrslehre
  • 1.2. Die Fremdenverkehrsforschung
  • 1.3. Die Fremdenverkehrsausbildung
  • 2. Der Fremdenverkehr als Gegenstand außerökonomischer Disziplin
  • 2.1. Die Fremdenverkehrsgeschichte
  • 2.2. Die Fremdenverkehrsgeographie
  • 2.3. Die Fremdenverkehrssoziologie
  • 2.4. Das Fremdenverkehrsrecht
  • 3. Wirtschaftliche Aspekte des Fremdenverkehrs
  • 3.1. Überblick
  • 3.2. Die Fremdenverkehrswirtschaft
  • 3.3. Die Wirtschaft der Fremdenverkehrsbetriebe
  • 3.4. Das Marketing als besonderes Wirtschaftsproblem des Fremdenverkehrs


Claude Kaspar

Dies Mitte der 70er Jahre sind besonderst mit dem schweizer Prof. C. Kaspar verbunden, so versuchte dieser in seiner Publikation "Die Fremdenverkehrslehre im Grundriß" erstmals die Systemtheorie auf den Tourismus zu übertragen. Kaspar versuchte in seinem Buch den Fremdenverkehr/Tourismus als mehrdimensionales offenes System zu erklären. Kaspar schlägt folgende, in Anlehnung von Hunziker/Krapf bzw. AIEST von ihm modifizierte Tourismusdefinition vor:

  • Fremdenverkehr oder Tourismus als die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen die sich aus der Ortsveränderung/Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Aufenthaltsort ist.

Allein schon diese Definition deutet auf vielschichtiges System von Beziehungen hin. Aus heutiger sprechen viele Gründe für die Bedeutung des System-Ansatzes in der Tourismusforschung

  • Denn es Bestehen vielfältige Beziehungen zwischen dem Tourismus und seinen

Umwelten (Kaspar nennt die politische, soziale, ökonomische, technologische und ökologische Umwelt)

  • Innerhalb des Tourismussystem bestehen viele Vernetzungen und Subsysteme (Als Subsysteme definiert Kaspar das sog. Fremdenverkehrssubjekt hierzu zählen der Fremdenverkehrsbetrieb, der Fremdenverkehrsort und die Fremdenverkehrsorganisation das zweite Subsystem ist das sog. Tourismus-Subjekt 1975 waren dies die Fremdenverkehrsarten- und formen, heute versteht man unter dem Fremdenverkehrsubjekt dem Touristen und die Bestimmungsfaktoren seiner Nachfrage)
  • Das touristische Produkt ist eine Kombination aus verschiedenen Teilleistungen z.B. Produktions-, Handelsleistung jedoch vorwiegend aus Dienstleistungen besteht.
  • Die Tourismusforschung ist interdisziplinär (Systemtheorie als Kernwissenschaft)vergl. Bieger Tourismuslehre 2004)

Es war das Verdienst von Claude Kaspar, inspiriert durch die an der Universität St.Gallen laufenden Forschungsarbeiten, der Forschung in Tourismus und Verkehr mit der Systemtheorie eine neue Dimension zu geben (Bieger IDT-Blickpunkt Nr. 11). Auch die oben erwähnte Definition zählt neben der Definition der WTO zu einer der deutschen Standart-Definitionen für den Begriff "Tourismus" und bildet heute immer noch eine wichtige Grundlage in der Tourismusforschung. Bemerkenswert ist auch, das Geschäftsreisen in diese Definition mit einbezogen wurden. Ebenfalls trug Kaspar erheblich dazu bei die Managementlehre im Tourismus zu entwickeln. So veröffentlichte er 1984 mit Beat Kunz die "Unternehmensführung im Fremdenverkehr" das zur damaligen Zeit einzige Buch, das eine umfassende Gesamtdarstellung der Managementlehre aufzeigte. Auch die 2. Auflage (erschienen als Management im Tourismus) enthielt die neusten Konzepte des Management, sowie deren Übertragung auf den Tourismus. So machte Kaspar das von Ulrich entwickelte "St. Galler-Management-Modell" für den Tourismus nutzbar. Bereits 1973 schlug Kaspar in seinem Aufsatz die Fremdenverkehrsökologie als eine neue Dimension der Fremdenverkehrslehre vor (vergl. Festschrift Bernecker 65)

Jost Krippendorf

Ein weiterer Pionier der Tourismusforschung, war der schweizer Prof. Jost Krippendorf er entwickelte er forderte ein umfassendes Marketingverständnis und publizierte die erste deutschsprachige Studie, die sich mit den Grundlagen des Marketing im Fremdenverkehr auseinandersetzte. Krippendorf war von seiner Ausbildung her Ökonom hatte aber sein ganz eigenes Wissenschaftsverständnis welches aus drei Grundpfeilern in Forschung und Lehre bestand. An seinem damaligem Institut, dem Forschungs-Institut für Fremdenverkehr in Bern, wird heute noch nach Krippendorfs Wissenschaftsverständnis geforscht und gelehrt:


1. Ganzheitlichkeit, dass zwar von den ökonomischen Kernkompetenzen ausgegangen werden kann, dass aber eine umfassende, also interdisziplinäre Betrachtung zu pflegen ist und man keine Hemmungen zu haben braucht, über den Verstand hinaus, Gefühl, Herz und Intuition einzusetzen.

2. Zukunftsbezogenheit, dass man sich an zukünftigen Herausforderungen orientiert und Lehre, Forschung und Beratung als vorausgedachte Praxis versteht.

3. Engagement, das man stets aufbauend kritisch ist und sich für die Umsetzung der Erkenntnisse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung engagiert. (Internetseite des FIF Bern)

Krippendorf sorgte mit seiner in den siebziger Jahren erschienen Publikation "Die Lanschaftsfresser" für aufsehen. Denn ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen deckte Krippendorf den ökologischen Erosionsprozess der touristischen Entwicklung auf und unterbreitete Vorschläge für eine bessere Entwicklung im Tourismus. Krippendorf sah als Vordenker die Gefahren und möglichen Folgen des gedankenlos expandierenden Tourismus, er warnte und zeigte Möglichkeiten und Perspektiven für einen "sanften" und "angepassten Tourismus" auf. Hans Ruedi Müller schrieb: Der Tourismus hat Jost Krippendorf viel zu verdanken, als Vordenker und Mahner, als Berater und Lehrer, als Menschenfreund und als kritischer Geist mit Weitblick (vergl. Müller 2003). 1986 wurde das von Krippendorf mitverfasste Buch "Freizeit und Tourismus" veröffentlicht. Er zählt zu den Vordenkern der Tourismuskritik. In seinem Buch die Ferienmenschen veröffentliche er das industriegesellschaftliche Lebensmodell: Arbeit - Wohnen - Freizeit - Reisen Im Mittelpunkt steht der Kreislauf der Wiederherstellung des Menschen in der Industriegesellschaft. Ausgangspunkt ist dabei der Mensch mit seinen Lebensbereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit, die den Alltag ausmachen. Sei 1986 erschienenes Buch Alpensegen-Alptraum, zeigte Entwicklungen im Tourismus unter Nutzung von systemorientierter Modelle mit Warncharakter und Ansätzen für eine neue Tourismusentwicklung (vergl. Bieger). Zu seinen Verdiesten zähten unteranderm die Einbeziehung der Systemtheorie und der Ökologie in die Tourismusforschung.

Horst Opaschowski

Auf der deutschen Seite, trug der als Tourismus- und Freizeitpapst bezeichnete Prof. Opaschowski zur weiteren Entwicklung der Tourismuswissenschaft bei. Nach seiner Doktorarbeit über die sozialen Folgen der Tourismusentwicklung gründete er in Siegen das erste Institut für Freizeitforschung in Deutschland, 1972 entwickelte er eine freizeitpolitische Konzeption der Bundesregierung unter Willy Brandt (vergl. mediaculture-online 03.01.06). Als zur damaligen Zeit jüngster Professor erhält 1975 Opaschowski eine Professur für Freizeit- und Tourismuswissenschaft an der Universität Hamburg. Ab 1979 leitet Opaschowski das B.A.T-Freizeit-Forschungsinstitut. Vom Institut wird auch die "Deutsche Tourismusanalyse" durchgeführt und veröffentlicht. Opaschowski ist studierter Erziehungswissenschaftler, sein eigentlicher Schwerpunkt ist Freizeitpädagogik. Sein erstes Lehrbuch zum Tourismus "Tourismusforschung" wurde 1989 veröffentlicht. Im Gegensatz zu anderen Tourismuslehrbüchern, finden sich in Opaschowskis Buch Themen wie z.B. Tourismuspsycholgie, Tourismusprognosen, Tourismustheorie und Tourismusprognosen, die Ideen Opaschowski haben mit Sicherheit zur Entwicklung einer sozialwissenschaftlichen Tourismusforschung beigetragen. In seinem Buch "Einführung in die Freizeitwissenschaft" versteht Opaschowski den Tourismus als eine Hauptbereich der "Freizeitwissenschaft" die wiederum nach Opaschowski eine Spektrumswissenschaft darstellt (vergl. Opaschowski).

In wie weit die sich entwickelnde Freizeitwissenschaft zur Tourismuswissenschaft beigetragen hat, lässt sich hier nicht beantworten. In den 70er wurden von Prahl (Freizeitsoziologie 1977) und Scheuch/Meyersohn (Soziologie der Freizeit) Abhandlungen zur Freizeitsoziologie verfasst, in denen jeweils ein Abschnitt in dem jeweiligen Buch, dem Thema Tourismus (Ferien und Tourismus als neue Form der Freizeit) und (Urlaub und Tourismus)gewidmet ist. Zu erwähnen ist die Theorie/Tourismustheorie die von dem Freizeitsoziologen Scheuch (vergl. Scheuch 1972) "Urlaub als Distanz zum Alltag" entwickelt wurden ist.

Tourismuswissenschaft in der Lehre

An der Universität Trier besteht seit 1979 die Professur für Angewandte Geographie mit besonderer Berücksichtigung des Fremdenverkehrs, für den Studiengang "Fremdenverkehrsgeographie". Diese Professur wurde mit C. Becker besetzt. Zu seinen zentralen wissenschaftlichen Verdiensten gehörte die ständige Beschäftigung mit den zentralen und aktuellen Forschungsfragen der Fremdenverkehrsgeographie. Die Fremdenverkehrswissenschaft wurde mit über 60 Bänden der Schriftreihe "Materialien zur Fremdenverkehrsgeographie" befruchtet. Die ebenfalls publizierten Trierer Tourismus Bibliographien widmeten sich zentralen Themen des Tourismus. Er wurden also nicht nur fremdenverkehrsgeographischen Themen behandelt sondern Themen wie z.B. Tourismusmanagement, Tourismuspädagogik, Geschichte des Tourismus, Tourismusmarketing, es war einer neuer Weg der interdisziplinären Erschließung von thematischer Literatur. Es handelte sich eigentlich nicht um Bibliographie im ursprünglichen Sinn, sondern vielmehr um Forschungsberichte mit einem umfangreichen Textteil. Neben den zahlreichen Schriften, was Prof. Becker auch Herausgeber eines Lehrbucher "Tourismus und nachhaltige Entwicklung". Auch Becker beteiligt sich an der Diskussion um eine Tourismuswissenschaft, er hielt den Vortrag "Probleme der deutschen Tourismuswissenschaft" auf der 24. Tagung des Arbeitskreises Freizeit- und Fremdenverkehrsgeographie.

Eine Vorreiterrolle in der fächerübergreifenden Lehre, hat das in Berlin gegründete Willy Scharnow Institut für Tourismus. Der dort zunächst als Ergänzungsstudiengang Tourismus eingerichtete Studiengang führte nach einem Jahr zum Abschluss, und Teilnehmer erhielten ein Zertifikat. An der Lehre in diesem Studiengang, sind die Wirtschafswissenschaften (Tourismusmanagement), die Geowissenschaften (Tourismusplanung) und die Geschichtswissenschaften (wissenschaftliche Reiseleitung) beteilig. Dieser Ergänzungsstudiengang wurde WS 2004/05 in einen Masterstudiengang umgewandelt, und führt nun zum Abschluss Master in Tourism Management. Die Forschungsschwerpunkte des Instituts für Tourismus liegen in

  • empirischen Untersuchungen zum Freizeitverhalten der Berliner und Brandenburger Bevölkerung
  • der strategischen Marketingplanung für touristische Organisationen
  • der Berufsaus- und -weiterbildung im Tourismus und
  • der Tourismusgeschichte

Ziel der Tourismusforschung ist es, die einzelnen Disziplinen (Betriebswirtschaftslehre, Tourismusmanagement, Geographie, regionale Tourismusplanung und Kulturwissenschaften) miteinander zu verknüpfen. Dabei werden die Studierenden des Masterstudiengangs durch angewandte integrative Forschungsprojekte auch mit Fragen der aktuellen Tourismusforschung konfrontiert(Institutsbroschuere_Stand07_2004. Am Institut besteht ein Historisches Archiv, welches sich ausschließlich mit der Sammlung von tourismushistorischen Material beschäftig. Für die Tourismuswissenschaft ist dieses Institut sehr wichtig, so ist es doch das größte Tourismusarchiv in Deutschland. 1987 wurde die Arbeitsgruppe "Tourismusgeschichte" ins Leben gerufen, sie fungiert seitdem als Clearingstelle für alle Interessenten, insbesondere Touristiker, Geschichtswissenschaftler und Journalisten, sowie für Doktoranden und Diplomanden verschiedener Fächer.


Auf universitätsebene, wird an der Uni Lüneburg, Uni Rostock, Uni Trier und Uni München Tourismuswissenschaft gelehrt und betrieben. In Trier wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, Tourismus wird von Seiten der Soziologie, der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre (stra. Tourismusmanagement) betrachtet. An der TU-Dresden wurde mit Prof. Freyer der Lehrstuhl Tourismuswirtschaft besetzt. Freyer hat verschiedene Lehrbücher zum Thema Tourismus, Tourismusmanagement und -marketing verfasst sowie einige Artikel die sich mit dem Thema der Tourismus als Wissenschaft bzw. der Gründung/Etablierung einer Tourismuswissenschaft befassen. In Innsbruck wurde 1970 das Institut für Verkehr und Tourismus, von der Tiroler Handelskammer gegründet, mit der Absicht, dieses Institut der Universität Innsbruck zu schenken. Die Tourismusforschung begann durch die Arbeiten des Ökonomen Prof. Andreae. Dieser verfasste 1970 das Buck Ökonomik der Freizeit. Neben Problemen der Freizeit setzte sich Andreae auch speziell mit Problemen der Tourismuspolitik auseinander (vergl. Solcher ITV 1991). Bevor Tourismus im Rahmen der betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Studiengänge angeboten wurde, erfolgte vorher die Konzeption eines Hochschulkurs für den Fremdenverkehr. In den betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Studiengängen konnte das Wahlfach "Tourismusökonomik" als Schwerpunkt gewählt werden (vergl. Socher ITV 1991).Die Schaffung einer Lehrkanzlei, stieß zunächst auf Widerstände, den es wurde, wie schon so oft in der Geschichte der Tourismuswissenschaft, bezweifelt ob es beim Fach "Tourismus" um eine Wissenschaft handele. So gelang es erst 1991 die Lehrkanzlei mit Prof. Weiermair zu besetzen und das "Institut für Tourismus und Dienstleistungswirtschaft" zu gründen. So wurde im Hauptsemester das Studienfach "Betriebswirtschaftslehre des Tourismus" angeboten. Eine der primären Aufgaben dieses Faches, ist die Ausbildung von Lehrer und Dozenten für die österreichischen Fremdenverkehrskolleg und Fachhochschulen. Als Grundlinie der Forschung auf dem gesamtwirtschaftlichen sowie betriebswirtschaftlichen Gebiet, ist der Versuch, die Theorie der Politischen Ökonomie sowie der BWL auf die Erscheinungen des Tourismus zu übertragen(vergl. Socher ITV 1991). Entsprechend der Entstehung einer Tourismuswissenschaft, überwiegen bisher gesamtwirtschaftliche Fragestellungen (vergl. Socher ITV 1991). Bei den Forschungen, lässt sich natürlich nicht jedes Resultat auf den Tourismus übertragen, vielfach sind Anpassungen notwendig, aber in den meisten Fällen kann die Tourismuswissenschaft davon profitieren (vergl. Socher ITV 1991) In Österreic

Kommentar am 01.10.2007 13:14 Uhr von Dimitar Martinov
Hallo,

Koennten Sie mir sagen, wo Sie Materialien und Information ueber das Forschungsinstitut fuer den Fremdenverkehr gefunden haben.

Ich danke Ihnen im Voraus!

Mit freundlichen Gruessen,
Dimitar Martinov
Kommentar am 05.11.2009 23:32 Uhr von Phillip Klein
Guten Abend,<br />
<br />
sehr schön geschrieben.<br />
Jedoch würde es auch interessieren woher Sie die Quellen bezogen haben.<br />
<br />
Schöne Grüße
Kommentar am 09.11.2009 04:18 Uhr von Sölter
Die Quellen für diese Arbeit stehen alle bei mir Zuhause im Regal. Es ist quasi mein Hobby Fach- und Lehrbücher vor allem antiquarischen Bücher der frühen Fremdenverkehrslehre zu sammeln. Einige Artikel und Aufsätze habe ich mir auch über subito als Kopie bzw. über Fernleihe beschafft. Das genaue Literaturverzeichnis kann ich Ihnen gerne mailen bzw. die Arbeit als PDF. Hatte die Arbeit auch als PDF-Dokument zum Download bereitgestellt, habe den Speicherplatz aber für andere Datein benötigt. Bei Bedarf sende ich jedem der möchte die Arbeit per Mail inkl. Literaturverzeichniss zu. Grüße Marc Sölter
Kommentar am 27.11.2009 11:40 Uhr von Melanie T.
Hallo Herr Sölter,

könnten Sie mir Ihre Arbeit mit Literaturverzeichnis per Email zuschicken?

Vielen Dank im Voraus!

freundliche Grüße
Kommentar am 02.06.2013 18:12 Uhr von ATG-Bayern Stefan
Auch wir forschen nach Tourismusgeschichte.

Helfen Sie mit.

Arbeitskreis TourismusGeschichte ATG-Bayern

www.tourismushistorie.de

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